Der Anti-Amerikanismus der deutschen Eliten

Der Anti-Trumpismus der deutschen Eliten ist etwas völlig anderes: eine reflexhafte kulturelle Haltung, ein Instrument elitärer Verunsicherung und die Projektion eigener innerer Misserfolge auf einen ausländischen Sündenbock. Im Kern ist dies ein antidemokratisches Empfinden – die Überzeugung, dass die falschen Menschen (die Wähler) immer wieder die falschen Entscheidungen treffen und dass etwas unternommen werden müsse, um die Politik ihrem Einfluss zu entziehen. Das deutsche Volk sollte dies klar erkennen und zurückweisen.
März 21, 2026
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„Trump hat keine Ahnung von Außenpolitik.“ „Amateurhafte Diplomaten.“ „Trump personalisiert die Außenpolitik.“ Diese Aussagen hallen in deutschen Nachrichtenzentren und Kolumnen wider – oft begleitet von noch drastischeren Bildern: Die Der Spiegel-Titel, die Trump als Hitler oder Diktator darstellen, sind nur die auffälligsten Beispiele. Die kumulative Wirkung auf die öffentliche Meinung war messbar. Eine kürzlich durchgeführte Allensbach-Umfrage zeigte, dass die Zustimmung der Deutschen zur Zusammenarbeit mit Amerika und ihr Vertrauen in die USA dramatisch gesunken sind: von 62 % im Jahr 2020 auf nur noch 34 %. Satte 64 % der Befragten stimmten außerdem der Aussage zu: „Donald Trump bringt Chaos in die Welt, indem er internationale Regeln und langjährige Allianzen missachtet.“

Doch dieser Rahmen verdeckt eine längere und störendere Geschichte. Der Anti-Amerikanismus in Deutschlands Elite begann nicht mit Trump. Amerika zu beschuldigen – oder anti-amerikanische Gefühle für innenpolitische Vorteile zu instrumentalisieren – ist seit Jahrzehnten ein wiederkehrendes Merkmal des deutschen politischen Lebens. Die heutigen Angriffe auf Trump sind im Kern weniger eine Reaktion auf bestimmte amerikanische Politiken, sondern ein Ausdruck des tiefen Misstrauens und der instinktiven Feindseligkeit der deutschen Etablierten gegenüber Populismus und demokratischer Verantwortlichkeit.

Die lange Geschichte der Amerika-Kritik

Die Beziehung Deutschlands zu den Vereinigten Staaten ist lang und vielschichtig. Nach dem Krieg war Amerika zunächst eine Besatzungsmacht, dann im Kalten Krieg eine Schutzmacht – wir erinnern uns an die Berliner Luftbrücke, Kennedys „Ich bin ein Berliner“ und die Unterstützung von George H.W. Bush für die Wiedervereinigung trotz französischem und britischem Widerstand. Mit dem Ende des Kalten Krieges begann der Anti-Amerikanismus jedoch zunehmend in die respektable Etablierungssprache einzudringen. Selbst ein Vergleich eines amerikanischen Präsidenten mit Hitler ist nicht neu: 2002, auf dem Höhepunkt der Irakkrieg-Debatten, sagte Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) bei einer Gewerkschaftsversammlung: „Bush will von inneren Problemen ablenken. Das ist eine gängige Methode. Hitler hat dasselbe getan.“ Kurz darauf musste sie zurücktreten. Die große Welle der Empörung und ihr erzwungener Rücktritt sind bemerkenswert – heute wäre ein solcher Rücktritt viel unwahrscheinlicher.

Diese Worte fielen während der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder (SPD). Schröder positionierte sich als Stimme der europäischen Vernunft gegen die amerikanische Rücksichtslosigkeit und konnte so seine Wiederwahl sichern – sein Widerstand gegen den Irakkrieg war bei den Wahlen wirksam. Die Geschichte urteilt streng: Schröder wird heute weitgehend als der Kanzler in Erinnerung behalten, der Deutschland von Putin-Russland abhängig machte; er war Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nord Stream AG und arbeitete später für Rosneft. Auffällig ist jedoch, dass die damaligen Umfragen in der öffentlichen Wahrnehmung fast identisch wie heute einen Wandel zeigten: Positive Einstellungen zu Amerika sanken von 78 % (1999/2000) auf 61 % (2002) und nur noch 25 % (2003).

Während Schröder Pazifismus und verdeckten Anti-Amerikanismus taktisch einsetzte, geht das heutige deutsche Establishment noch weiter. Für sie verkörpern Trump und der amerikanische Populismus alles, wovor sie Angst haben und was sie verachten. Was sie ablehnen, ist nicht eine einzelne Politik – weder Zölle noch Grönland –, sondern Trumps gesamte Herangehensweise; sie betrachten sie als Affront gegen technokratische, prozessorientierte Governance-Ideale, die vom Druck der Bevölkerung isoliert sind. Was sie wirklich erzürnt, ist nicht Trumps Interventionismus; es ist, dass er offen die amerikanischen nationalen Interessen verfolgt und die Wünsche seiner Wähler umsetzt – und dabei die supranationalen Institutionen verächtlich ablehnt, die zum Fundament ihrer eigenen politischen Identität geworden sind.

Die Angst vor der Verbreitung des Populismus

Die Wut auf Amerika ist für eine zunehmend verunsicherte Elite ein politisches Fundament geworden. Die Versuchung, äußere Mächte zu beschuldigen, ist groß – und sie bleibt nicht auf Rhetorik beschränkt. Während der Bundestagswahlen 2025 wurden wiederholt Sorgen über amerikanische Einflussnahme geäußert. Diese Sorgen waren nicht völlig unbegründet: Populistische Wähler, insbesondere die AfD, zeigten wenig Zurückhaltung in ihrer Freude über die implizite Unterstützung durch die Trump-Administration. Für das Establishment war dies nicht nur unangenehm, sondern auch besorgniserregend.

Ein Beispiel für diese Besorgnis war die Reaktion auf JD Vances Rede bei der Münchener Sicherheitskonferenz 2025. Was das deutsche Establishment schockierte, war nicht der Vorschlag, die militärischen Verpflichtungen Amerikas in Europa zu verringern – so beunruhigend dies auch war. Vielmehr war es die Kritik an europäischen Regierungen wegen Einschränkung der Meinungsfreiheit. Die Antwort von Verteidigungsminister Boris Pistorius, dass Deutschland stolz auf sein Modell der „wehrhaften Demokratie“ sei, machte nur noch deutlicher, dass die Kluft zwischen Amerika und Deutschland auch eine interne deutsche Spaltung widerspiegelt: die Kluft zwischen einem Establishment, das gesteuerte Narrative verteidigt, und einer wachsenden Öffentlichkeit, die dies kritisch sieht.

Diese defensive Haltung wurde noch deutlicher, als CBS in 60 Minutes die Kamera auf Deutschlands Gesetze gegen Hassrede richtete – es zeigte Polizisten, die Häuser wegen Online-Kommentaren durchsuchen und elektronische Geräte beschlagnahmen. Diejenigen, die sich als Hüter der Demokratie präsentieren, wirkten plötzlich ganz anders.

Zudem gab es die Peinlichkeit, Trump beim Offenlegen der inneren Leere der EU zuzusehen. Das Bild einer panischen Ursula von der Leyen, die versuchte, Zölle mit einem starken amerikanischen Präsidenten zu verhandeln, erregte weite Aufmerksamkeit und war nicht gerade rühmlich. Das Ergebnis: Der Elite-Anti-Amerikanismus erhielt einen deutlich defensiven Ton. Während des Irakkriegs hatte die EU ihr Image auf dem Gegensatz zwischen dem vernünftigen „Alten Europa“ und dem rücksichtslosen Amerika aufgebaut. Nun war das stärkste Argument: Trump mache die EU notwendig. „Wenn die Union jetzt nicht souverän wird, wird sie irrelevant“, warnte ein Kommentator – bewusst oder unbewusst ein indirektes Eingeständnis, dass das Projekt bisher sich selbst nicht unverzichtbar gemacht hat.

Die Angst vor dem Volk

Der Vorwurf, Amerika betreibe „amateurhafte“ Außenpolitik, offenbart einen tief sitzenden Glauben im deutschen Establishment: dass kritische Entscheidungen zu komplex und wichtig seien, um sie den gewöhnlichen Wählern zu überlassen. Dies ist keine neue Haltung. Ein großer Teil des europäischen Überlegenheitsgefühls gegenüber Amerika basiert seit langem auf der elitistischen Überzeugung, dass Amerika von den falschen Wählern gelenkt wird.

Russell A. Berman zitiert in Anti-Americanism in Europe (2008) den deutschen Autor Klaus Theweleit während der Irakkrise: „Es wird oft übersehen, dass Bush Wahlen nur mit den Stimmen des Bibelgürtels, also fundamentalistischer, religiöser Amerikaner, gewinnen konnte.“ Berman erfasst den antidemokratischen Unterton genau: „Will er andeuten, dass christliche Wähler vom Wahlrecht ausgeschlossen werden sollten?“ Derselbe Instinkt durchdringt heute die Trump-Kritik – die unausgesprochene Überzeugung lautet, dass nicht nur der Präsident, sondern auch seine Wähler das Problem sind.

Doch in der Selbstsicherheit des Establishments zeigen sich Risse. Trotz ihrer Geringschätzung der amerikanischen „Amateurhaftigkeit“ offenbart die deutsche Elite in ihren eigenen internationalen Beziehungen bemerkenswerte Naivität: das Erstaunen und die Unvorbereitetheit über Putins Überfall auf die Ukraine; die langjährige Beschwichtigungspolitik gegenüber Iran und die Erlaubnis, dass dieser in Deutschland operative Stützpunkte errichtet; die wiederholte Konfrontation mit islamistischem Terror. Anstatt sich diesen eigenen Fehlern zu stellen, zeigt die instinktive Reaktion nach außen. Ein aktueller Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nannte „Coronavirus, Krieg und Trump“ als drei Kräfte, die seit 2020 Druck auf die deutsche Wirtschaft ausüben – bemerkenswerterweise schweigt dieses Framing über den Beitrag innerer Faktoren zum Niedergang des Landes.

Anti-Amerikanismus war immer ideologisch komplex – und stets mit einem Element von Neid durchzogen. Rechts lehnte einst Amerika als Symbol jüdischer Moderne und Kapitalismus ab; links ignorierte es als Motor des Imperialismus, und ein Großteil der heutigen deutschen Linken reproduziert im Kern weiterhin stalinistische Diskurse über den globalen Druck Amerikas. Im 19. Jahrhundert lehnten deutsche Romantiker die demokratischen Werte der Amerikanischen Revolution ab – während Goethe diese Werte lobte; der Satz „Amerika ist hier oder nirgendwo“ in Wilhelm Meisters Lehrjahre wurde weithin als Hinweis gedeutet, dass Deutschland diese Werte ebenfalls benötige.

Heute wird die Anti-Trump-Haltung der Elite vor allem durch tiefe Angst vor Populismus getrieben – ein Grund, warum diese Haltung unter AfD-Wählern oder unter Unterstützern der am meisten etablierungsfreundlichen Parteien wie Grünen oder Linken deutlich weniger verbreitet ist. In diesem Sinne ist der Begriff „Anti-Amerikanismus“ nicht einmal ganz korrekt. Die deutsche Elite lehnt Amerika nicht grundsätzlich ab; sie blickt weiterhin auf Amerika für kulturelle und politische Orientierung. Doch das Amerika, auf das sie blickt, ist jenes der progressiven Küsteneliten: Die Begeisterung von Grünen- und Linkspolitikern über den Sieg von Zohran Mamdani, der in New York offen eine anti-kapitalistische und anti-westliche Kampagne führte, zeigt dies deutlich.

Jede Partei hat das Recht und die Pflicht, ihre Ansichten zur amerikanischen Außenpolitik zu äußern. Rationale Kritik an der Politik eines anderen Landes ist nicht nur legitim, sondern auch notwendig.

Doch der Anti-Trumpismus der deutschen Elite ist etwas völlig anderes: eine reflexhafte kulturelle Haltung, ein Instrument elitärer Verunsicherung und die Projektion innerer Misserfolge auf einen ausländischen Sündenbock. Im Kern ist dies ein antidemokratisches Empfinden – die Überzeugung, dass die falschen Menschen (die Wähler) ständig die falschen Entscheidungen treffen und dass etwas unternommen werden müsse, um die Politik ihrem Einfluss zu entziehen. Das deutsche Volk sollte dies klar erkennen und ablehnen.

*Sabine Beppler-Spahl ist eine Autorin für EuropeanConservative.com mit Sitz in Berlin. Sie ist Vorsitzende des deutschen liberalen Thinktanks Freiblickinstitut und Korrespondentin von Spiked für Deutschland. Ihre Artikel wurden in zahlreichen deutschen Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht.

Quelle: https://europeanconservative.com/articles/commentary/the-german-elites-anti-americanism/